Mélanie Huber
Oper von Gaetano Donizetti
Premiere 8. Mai 2021 Opernhaus Zürich / Theater Winterthur

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Libretto von Domenico Gilardoni
Neueinrichtung des Librettos und Textfassung von Stephan Teuwissen
Mit einer Ouvertüre von Sebastian Androne-Nakanishi

Musikalische Leitung Adrian Kelly
Inszenierung Mélanie Huber
Bühnenbild Nora Johanna Gromer
Kostüme Lena Hiebel
Lichtgestaltung Hans-Rudolf Kunz
Dramaturgie Fabio Dietsche

Mit Lina Dambrauskaité, Yuriy Hadzetskyy, Andrew Moore, Siena Licht Miller, Katia Ledoux, Luca Bernard, Vladyslav Tlushch, Ilya Altukhov, Xiaomeng Zhang, Fritz Fenne, Musikkollegium Winterthur

Leicht überdreht, aber auch poetisch und traumgetrieben bringt der Komponist Gaetano einen subalternen Teufel dazu, ihm einen letzten Wunsch zu erfüllen: Die Aufführung seines Opernpastiches Sitten und Unsitten des Theaters. Der Teufel lässt sich einspannen, und bevor er es merkt, wird ihm die Hauptrolle aufgebürdet – Mamma Agata, eine schrullige Künstlerinnenmutter, so unbelehrbar wie unaufhaltsam. Ihr gegenüber stehen eine selbstgefällige Primadonna samt penetrantem Ehemann, zweit- und drittrangige Sängerinnen, ein deutscher Tenor sowie drei Herren von der Theaterleitung, die verzweifelt versuchen, die Schicksals- und Opernfäden in der Hand zu behalten. Erwartungsgemäss laufen die Proben völlig aus dem Ruder, und der von Fieber und Wahn strapazierte Gaetano darf zusehen, wie sich sein Werk in eine hektische Teufelsküche verwandelt.
Mélanie Huber gibt mit Gaetano Donizettis «Viva la Mamma» ihr Musiktheater-Debüt. Und ihr gelingt mit dieser Theater- auf-dem-Theater-Farce das Kunststück, das Werk und seinen Schöpfer zu ehren, es gleichzeitig gut durchzulüften und geschickt mit der Gegenwart zu verbinden...
Huber fällt seit rund zehn Jahren mit außerordentlich gut gebauten Schauspielinszenierungen auf; sie hat ein enormes Gespür für Rhythmus, versteht es, Bühnenabläufe wie einen Präzisionsapparat zu bauen und sie dann mit Leben zu beseelen. Ihr Formalismus ist ein zutiefst menschlicher. Mit all dem ist sie prädestiniert fürs Musiktheater...
- Opernwelt (Juli 21)

Für einen Regisseur liegt es auf der Hand, dieses Stück als deftige Klamauk-Kiste zu inszenieren ... Mélanie Huber hingegen sucht eine Alternative zur gängigen Klamauk- Schiene und zeigt, durchaus mit Erfolg, neben den komischen auch ernsthafte Züge des Stücks. Dabei kommt ihr die Neufassung von Teuwissen sehr entgegen: In der Sprechrolle des Gaetano tritt der vom Tod gezeichnete Donizetti selber auf und ringt um die Fertigstellung seiner Oper ...
Die jungen Talente des Opernstudios rücken ihre Fähigkeiten ins beste Licht. Andrew Moore besticht mit einer voluminösen Baritonstimme und realisiert die «Rockrolle» der Mamma Agata – ein rares Gegenstück zur viel geläufigeren Travestie der Hosenrolle – in ihrer ganzen Doppelbödigkeit. Reines Opernvergnügen bereitet auch die Rivalität zwischen der Prima und der Seconda Donna. Lina Dambrauskaité als Daria mit ihrem einnehmenden Koloratursopran und den zur Schau gestellten Divenallüren hat wirklich das Rüstzeug zu einer erfolgreichen Karriere ...
Glänzend besetzt ist die Sprechrolle von Gaetano: Fritz Fenne, den man als ehemaliges Ensemblemitglied am Schauspielhaus Zürich kennt...
Der Gipfel wird hier erreicht, wenn Mamma Agata Desdemonas todtrauriges Lied von der Weide aus Rossinis «Otello» singt – auf einen völlig absurden Text. Da weiss man nicht, ob man lachen oder weinen soll.
-NZZ