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Nach dem Angriff auf das Gasthaus bei Barcelona ist Don Baltasar tot, Don Rodrigo schwer verwundet und Doña Proeza auf der Flucht. Der II. Tag im Claudelschen Welttheater zeigt Don Rodrigo als einen sich vor Liebe verzehrenden und beinahe zu Grunde gehenden Helden; Doña Proëza gesteht ihrem Mann Don Pelayo die Liebe zu dem schwer Verwundeten - und lässt sich aus Schuldgefühlen schliesslich dazu hinreissen, im Auftrag des spanischen Königs den unkontrollierbaren Don Camillo im fernen Afrika zu entmachten, an seiner Statt den Oberbefehl über die Festung Mogador zu übernehmen und den scheinbar aussichtslosen Kampf gegen die Islamisierung zu wagen. Claudel beschreibt Religion als Mittel zum Zweck (der Intrige, des Machterhalts, der Gier und der Kolonialisierung). Die entschieden moderne, immer wieder ironische Darstellung dieser dramatischen Ereignisse ermöglicht etwa den überraschenden Auftritt einer gegen den Autor selbst aufbegehrenden Figur. Die Tragödie nimmt dennoch ihren Lauf: Sogar die Liebe gilt dem berechnenden Don Pelayo nur als Tauschwert. So tritt der desperate Don Rodrigo auf königliche Order die Reise nach Amerika an. Wird die Liebe siegen?

Der deutsche Dramatiker Jörg Albrecht, dessen Hommage an Carol Reeds Film-noir-Klassiker Der dritte Mann, Harry Lime lebt! Und das in diesem Licht! am Schauspielhaus uraufgeführt wurde, bearbeitet den II. Tag. Jörg Albrecht fokussiert in seiner Intervention auf die Zusammenhänge von Liebe und Sprache und bearbeitet die Monologe der Figur des Unbändigen sowie der Allegorien des Mondes und des Doppelschattens: Sukzessive wandelt sich die Sprache vom Original Claudels zur Lesart Jörg Albrechts. Zusätzlich verfasst er ein immanent zeitgenössisches, "blasphemisches" Vater Unser.


II.TAG: WO DU NICHT BIST
von Paul Claudel / Jörg Albrecht
18. Oktober 2012 - 9. März 2013
Schauspielhaus Wien